Wie wichtig sind Soft Skills für einen Informatiker tatsächlich?

 

Interview mit Martin Vesterling,
Geschäftsführender Gesellschafter der Vesterling Personalberatung,
München, 23. April 2015

 

 

 

Wie wichtig sind Soft Skills für einen Informatiker?

Martin Vesterling: Wie heißt es so schön – keine Software ohne Soft Skills. Fachwissen ist das eine. Die Entwicklung von Software ist aber immer auch Kommunikation zwischen Menschen. Informatiker müssen technisch komplexe Zusammenhänge erläutern können. Sie müssen ihr Tun verständlich machen - auch für Personen, die weniger tief in der Materie stecken. Informatiker entwickeln ja selten abgeschottet im Elfenbeinturm – sie müssen sich mit Schnittstellen abstimmen oder im Team mit Informatikern zusammenarbeiten. Manchmal müssen sie auch vor Kunden präsentieren. Das Stereotyp vom Informatiker als Nerd, der in seiner Gedankenwelt aufgeht, gibt es so im Berufsleben nicht – wenigstens nicht erfolgreich. Um ein Beispiel zu geben: Ein Software- oder Datenbankentwickler, der Schwierigkeiten hat, sich vom Code zu lösen und flexibel auf andere Anforderungen zu reagieren, wird anecken. Er sollte daran arbeiten, wenn er erfolgreich sein will. Anderes Beispiel: Anwendungs-Support oder IT-Projektleitung geht ohne Soft Skills nicht - oder nur sehr schwer. Bei disziplinarischen Führungsfunktionen sind Sozialkompetenzen natürlich nochmal wichtiger. Das ist genauso wie bei jeder anderen Berufsgruppe.

Welche sozialen Kompetenzen muss ein geeigneter Informatiker mitbringen?

Martin Vesterling: Der ideale Informatiker ist zuallererst engagiert. Er oder sie will sich einarbeiten und weiterentwickeln. Wichtig sind vor allem die kommunikativen und reflektorischen Eigenschaften: Wie geht er mit Kritik um? Kann er Verbesserungen an Persönlichkeit und Arbeitsmethodik umsetzen? Kann er aktiv zuhören? Kann er offen und frei über sich sprechen? Sich in ein Team einfügen?

Ein guter Informatiker braucht auch eine gewisse Beharrlichkeit im Umgang mit seinen Schnittstellen in anderen Abteilungen. Dann kann er den Entwicklungsprozess aktiv über sein eigenes Schaffen hinaus erst richtig vorantreiben. Wie geht das? Er muss Fragetechniken beherrschen, um ein Gespräch in der gewünschten Richtung vertiefen zu können. Er muss bei heiklen Themen nachhaken und dranbleiben können, ohne schlechte Stimmung zu erzeugen.

Es geht also insgesamt um 6 wichtige Skills: Kommunikationskompetenz, Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Engagement, Lernbereitschaft und Zielorientierung.

 

 

 

Wie sollen Unternehmen im Bewerbungsgespräch mit Soft Skills umgehen?

Martin Vesterling: Ich würde Soft Skills immer abhängig von der vorgesehenen Position im Unternehmen gewichten. Natürlich auch davon, wie ein Mitarbeiter perspektivisch weiterentwickelt werden soll. Klar ist, dass bei Fachpositionen immer das Fachwissen im Vordergrund steht. Soft Skills können ein lückenhaftes Fachwissen nicht aufwiegen. Bei gleichwertigen fachlichen Qualifikationen von Bewerbern gibt die Sozialkompetenz den Ausschlag. Es geht bei der Sozialkompetenz immer auch um die Unternehmenskultur und um Mitarbeiterbindung. Der Mitarbeiter muss sich im gegenseitigen Interesse gut ins Unternehmen einfügen können. Wenn wenige Bewerber für eine Stelle zur Verfügung stehen - und das ist in der IT meist so - wird die Sozialkompetenz etwas weniger wichtig. Man geht dann Kompromisse ein.

Im Bewerbungsgespräch achte ich persönlich immer besonders darauf, welche sprachlichen Ausdrucksfähigkeiten dem Bewerber zur Verfügung stehen; wie er sich in einer Gesprächssituation verhält - ist er aktiv fragend, neugierig – lässt er sich führen oder führt er gerne das Gespräch – wie geht er mit Zwischenfragen um – hakt er nach. Eine gut verständliche, klare und zielgerichtete Kommunikation ist der Schlüssel für die meisten Herausforderungen – auf jeden Fall für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Team.